Hyundai und Kia haben sich verpflichtet, über 4 Millionen Fahrzeuge in den USA mit neuer Diebstahlsicherung nachzurüsten und alle künftigen US-Modelle mit Wegfahrsperren auszustatten. Damit beenden sie eine vielbeachtete Untersuchung einer überparteilichen Koalition von 35 US-Bundesstaaten. Die Einigung zielt darauf ab, die weit verbreiteten Fahrzeugdiebstähle zu bekämpfen, die auf eine in sozialen Medien wie TikTok populär gewordene Methode zurückgehen.
Der Vergleich markiert eine deutliche Eskalation der Bemühungen der koreanischen Hersteller, Diebstähle älterer Modelle einzudämmen, denen die branchenübliche Wegfahrsperre fehlte.
Kostenlose Zündschlossverstärkungen für berechtigte Fahrzeuge
Im Rahmen der Vereinbarung werden Hyundai und Kia Besitzern berechtigter Fahrzeuge kostenlose, mit Zink verstärkte Zündschlossverstärkungen zur Verfügung stellen. Dies betrifft auch Fahrzeuge, die zuvor nur für softwarebasierte Diebstahlschutz-Updates in Frage kamen.
Laut den US-Bundesstaaten verstärkt die Zinkhülsen-Modifikation das Zündschlossgehäuse und verhindert dessen Entfernung, was direkt der in viralen Online-Videos gezeigten Diebstahltechnik entgegenwirkt.
Berechtigte Fahrzeughalter erhalten ab Anfang 2026 offizielle Benachrichtigungen und haben bis Ende März 2027 Zeit, die Zündschlossverstärkung kostenlos bei autorisierten Vertragshändlern einbauen zu lassen.
Wegfahrsperren werden bei allen neuen US-Fahrzeugen serienmäßig
Zusätzlich zur Nachrüstung bestehender Fahrzeuge haben sich Hyundai und Kia verpflichtet, bei allen künftigen US-Fahrzeugen Wegfahrsperren einzubauen. Wegfahrsperren verhindern das Starten des Fahrzeugs ohne den korrekten elektronischen Schlüssel und gelten als branchenüblicher Diebstahlschutz.
Das Fehlen von Wegfahrsperren in bestimmten Hyundai- und Kia-Modellen der Baujahre 2011 bis 2022 war ein zentraler Faktor für die Zunahme der Diebstähle.
TikTok-Diebstahltrend mit tödlichen Unfällen verbunden
Die Aufsichtsbehörden führen den Anstieg der Diebstähle auf TikTok und andere soziale Medien zurück, in denen Videos zeigen, wie Fahrzeuge ohne Startknopf oder Wegfahrsperre gestohlen werden können. Laut Behörden führte dieser Trend bis 2023 in den USA zu mindestens 14 gemeldeten Unfällen und acht Todesfällen.
Die US-Bundesstaaten erklärten, dass die öffentlichen Sicherheitsfolgen dieser Diebstähle die Dringlichkeit unterstrichen, zusätzlich zu Softwarelösungen auch physische Diebstahlschutz-Upgrades zu verlangen.
Hyundai und Kia zahlen bis zu 9 Millionen US-Dollar Entschädigung
Im Rahmen der Vereinbarung zahlen Hyundai und Kia bis zu 9 Millionen US-Dollar Entschädigung an Verbraucher und beteiligte Bundesstaaten, um die Untersuchungskosten zu decken.
Der Generalstaatsanwalt von Minnesota, Keith Ellison, erklärte, dass die Gesamtkosten für den Einbau von Zündschlossverstärkungen in allen berechtigten Fahrzeugen 500 Millionen US-Dollar übersteigen könnten, basierend auf Schätzungen der Hersteller.
„Indem sie branchenübliche Diebstahlsicherungstechnologie in ihren Fahrzeugen nicht eingebaut haben, haben Hyundai und Kia eine Welle von Autodiebstählen ausgelöst, die die Menschen in Minnesota ihre Autos, ihr hart verdientes Geld und manchmal sogar ihr Leben gekostet hat“, sagte Ellison.
Hersteller reagieren auf Vergleich
Hyundai erklärte, die Beilegung der Untersuchung sei ein weiterer Schritt zur Bekämpfung von Diebstählen bei Fahrzeugen ohne Wegfahrsperre.
„Diese kooperative Vereinbarung baut auf Hyundais laufenden Bemühungen auf, die Fahrzeugsicherheit als Reaktion auf eine in sozialen Medien populär gewordene Diebstahlmethode zu verbessern“, teilte das Unternehmen mit.
Kia bezeichnete die Vereinbarung als Teil einer breiteren Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Kunden.
„Die Zinkhülsen-Modifikation bekämpft die durch soziale Medien inspirierte Diebstahlmethode, indem sie das Zündschlossgehäuse verstärkt und dessen Entfernung verhindert“, so Kia.
Frühere Klage und Software-Updates
Der jüngsten Vereinbarung ging ein im Jahr 2023 erreichter Vergleich in einer 200 Millionen US-Dollar schweren Sammelklage von Verbrauchern wegen weit verbreiteter Diebstähle von Hyundai- und Kia-Fahrzeugen voraus, so Anwälte der Fahrzeughalter.
Im selben Jahr begannen die Hersteller auch damit, Software-Upgrades für rund 8,3 Millionen US-Fahrzeuge ohne Wegfahrsperre anzubieten. Während die Software-Updates eine gewisse Abschreckung boten, erklärten die Generalstaatsanwälte, dass Hardware-Verstärkungen notwendig seien, um das Problem vollständig zu lösen.
Quelle: Reuters
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