Einer der größten Wendepunkte für Kia war die Einführung des neu gestalteten Optima im Jahr 2010. Seitdem steht der Optima sowohl für Luxus als auch für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Kia verbessert das Modell kontinuierlich und bietet mit dem überarbeiteten Optima 2016 dasselbe Gefühl – auch wenn er ähnlich aussieht, unterscheidet er sich doch deutlich von seinen Vorgängern.
Fahrwerk und Aufhängung
Obwohl der Optima den früheren Modellen ähnelt, wurde er in mehreren Bereichen aufgewertet. Beginnen wir mit der Karosserie: Der gesamte Aufbau besteht nun zu über 50 Prozent aus hochfestem Stahl, was die Fahrdynamik, den Aufprallschutz und die Laufruhe um 150 Prozent verbessert. Darüber hinaus erhöht der vermehrte Einsatz von hochfestem Stahl die Torsionssteifigkeit um 58 Prozent – das bedeutet eine langlebigere Karosserie und ein direkteres Ansprechverhalten. Auf der Fahrwerksseite rüstete Kia auf doppelte untere Querlenker auf, um die Stabilität und das Lenkverhalten zu verbessern. Zudem optimierten die Ingenieure die Radaufhängungsgeometrie, indem sie sie vertikaler auslegten, was mehr Federweg ermöglicht und auf unebenem Asphalt für mehr Komfort sorgt. Kia bot außerdem zwei verschiedene Lenkgetriebe an, die besseres Handling, mehr Rückmeldung und insgesamt höhere Leistung bieten. Eine säulengesteuerte Variante ist serienmäßig, eine gestängelose Variante ist den 2.0-Turbo-Modellen vorbehalten.
Innenraum-Upgrades
Kia hat nicht nur die Struktur deutlich verbessert, sondern auch den Innenraum aufgewertet – mit Diamantsteppung in der SX Limited sowie einer roten Lederausstattung in der Launch Edition. Die neuen Optimas bieten zudem mehr Platz: 45,4 Zoll Beinfreiheit vorne, 40,1 Zoll Kopffreiheit und ein Kofferraumvolumen von 15,9 Kubikfuß. Weitere luxuriöse Details umfassen gesteppte Nappaledersitze und mehrfach elektrisch verstellbare Sitze für Fahrer und Beifahrer. Kia hat auch kräftig in die Audioanlage investiert und ein Premium-14-Lautsprecher-Soundsystem von Harman Kardon verbaut. Harman Kardon findet sich normalerweise in den luxuriösesten Autos – diese Klangqualität im Optima zu bieten, ist ein echtes Plus. Kia ging noch einen Schritt weiter und installierte Quantum-Logic-Surround-Sound, der beim Musikhören den klarsten und feinsten Klang liefert. Das System lässt einen buchstäblich das Gefühl haben, in einem Kino zu sitzen, da aus allen Richtungen ausgewogene und sanfte Klänge kommen.
Technische Aufwertungen
Kia hat in allen Ausstattungsvarianten, insbesondere in der SX Limited, einige sehr beeindruckende Technikfeatures integriert. Die reizvollsten Merkmale waren das nahezu semiautonome Fahrsystem, das nicht nur andere Fahrzeuge in der Nähe erkennt, sondern auch die Geschwindigkeit des Tempomaten ohne zusätzlichen Fahrereingriff an das vorausfahrende Auto anpasst. Ein weiteres beeindruckendes Feature war die Multikamera-Ansicht, die dem Fahrer eine Sicht nach vorne, hinten und auf die Seiten des Fahrzeugs bietet – das Einparken wird so enorm erleichtert. Weitere Funktionen umfassen ein autonomes Notbremssystem mit Fußgängererkennung sowie eine Frontkollisionswarnung. In der Beleuchtungsabteilung hat Kia dynamische Bi-Xenon-HID-Kurvenlichtscheinwerfer verbaut, die definitiv eine bessere Sicht bei Nacht bieten, insbesondere in unübersichtlichen Kurven.
Fahrerlebnis
Den Optima zu fahren war eine sehr interessante Erfahrung, da ich bereits den Rio und den Forte Koup Turbo gefahren bin und so einen besseren Modellvergleich anstellen konnte. Der Optima SX bietet meiner Meinung nach das Beste aus beiden Welten – Leistung und Effizienz – jedoch mit deutlich mehr Raffinesse in Sachen Luxus und Komfort. Der 2.0 Turbo GDi-Motor liefert die richtige Portion Leistung, hat aber im Vergleich zum 1.6 Turbo GDi mehr Durchzug. Dank des größeren Hubraums kommt ein zusätzlicher Spaßfaktor hinzu, da sich die Leistungscharakteristik im Sportmodus ändert und das Lenkrad mehr Rückmeldung gibt. Das Fahrverhalten war eine angenehme Überraschung, denn obwohl es sich um ein relativ großes Auto handelt, lenkt es täuschend gut ein. Normalerweise gibt es bei der Abstimmung des Fahrwerks immer einen Kompromiss zwischen Leistung und Komfort. Entweder ist es komfortabel, aber schwammig wie ein Kreuzfahrtschiff, oder es liegt gut auf der Straße, ist aber auf unebenen Strecken und im Alltag zu hart. Beim Optima scheint Kia den optimalen Punkt gefunden zu haben: Das Auto ist auf unterschiedlichen Straßen komfortabel – möglicherweise dank des größeren Federwegs durch die geänderte Radaufhängungsgeometrie. Auf der anderen Seite lässt sich der Wagen sehr gut handeln und ermutigt zu einer dynamischen Fahrweise auf kurvigen Straßen, wobei sicherlich die unabhängige Hinterradaufhängung und möglicherweise verstärkte Stabilisatoren ihren Teil dazu beitragen.
Der Sportmodus war eine interessante Neuerung, die die Leistungsentfaltung hin zu mehr Drehmoment und niedrigeren Drehzahlen veränderte, sodass das Auto in bestimmten Kurven mit überhöhter Geschwindigkeit die Traktion verlieren kann. Im Sportmodus wird das Lenkrad schwerer und vermittelt mehr Rückmeldung, aber meiner Meinung nach braucht der „Sportmodus“ etwas mehr als nur eine kleine Kennfeldänderung und ein schwereres Lenkrad. Wenn ich einen weiteren Faktor hinzufügen dürfte, wäre es eine Bypass-Klappe am Auspuff, damit der Fahrer den 2,0-Liter-Motor bei hohen Drehzahlen schreien hören kann. Ein Teil des Fahrspaßes in einem sportlichen Modus ist für mich der Auspuffsound. Diese kleine Änderung würde einem Fahrer meiner Meinung nach wirklich zeigen, was der „Sportmodus“ in jedem Auto bedeutet.
Was den Komfort angeht, war einer der interessantesten Aspekte der Fahrt der Tempomat. Denn er berücksichtigt die Geschwindigkeit des Vorderwagens und passt sich entsprechend an, aber der Abstand schien mir etwas zu groß, was andere Autos dazu verleitete, in meine Spur zu wechseln. Obwohl die Funktion auf langen Fahrten ohne Verkehr sehr angenehm ist, kann sie etwas lästig sein, wenn sie weiterhin eine so große Lücke lässt, dass andere einen eher schneiden. In Situationen mit viel Verkehr würde ich das Auto lieber selbst fahren, um nicht ständig zurückgedrängt zu werden. Optisch wirkt der Optima ohne Nebelscheinwerfer eher wie eine Oberklasse-Limousine, ähnlich dem Lexus LS. Auch wenn er dadurch edler wirkt, hat er etwas von der „Sportlichkeit“ verloren, die seine Vorgänger auszeichnete. Das könnte bedeuten, dass Kia sich eher an ein professionelles Publikum richtet und die sportliche Optik den Forte-Modellen vorbehält.
Insgesamt ist der neue Kia Optima eine solide konstruierte koreanische Maschine. Beim Erleben des SX-Modells fragte ich mich nur, welche Art von Person dieses Modell kaufen würde. In gewisser Weise ist dies ein rundum gelungenes Auto für so ziemlich jeden. Ich denke an ein gutes Familienauto ähnlich dem Toyota Camry, aber mit deutlich mehr Stil, vor allem wegen des großzügigen Platzangebots im Innenraum. Andererseits lassen die Leistung, das Fahrverhalten und der Innenraum an den reifen Profi denken, der normalerweise einen Audi A4 oder eine BMW 3er-Limousine fahren würde. Zusammenfassend war das Auto mit einem Einstiegspreis von 21.990 US-Dollar preislich und von der Wertigkeit her außergewöhnlich. Nachdem ich über 2.400 Kilometer sowohl in der Stadt als auch auf Langstrecken gefahren bin, war ich beeindruckt, wie ausgereift der Optima ist. Ich bin gespannt, was Kia als Nächstes tun wird, um den Optima weiter zu verbessern.

















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