Die erste Generation des Kia Seltos war weltweit ein großer Erfolg, doch es fehlte stets eine entscheidende Option, um Märkte wie Europa und Nordamerika zu dominieren: ein effizienter Hybridantrieb. Für diese brandneue zweite Generation hat Kia das endlich behoben und einen 1,6-Liter-HEV-Antrieb unter die Haube gepackt.
Um zu sehen, ob dieses neue Paket dem Hype gerecht wird, sind wir direkt nach Südkorea gereist für eine ausgiebige erste Ausfahrt, haben den brandneuen Seltos Hybrid auf eine Langstreckenfahrt von den belebten Straßen Seouls hinunter nach Gunsan mitgenommen und schließlich im Gwangju-Werk beendet – dem Geburtsort des Seltos. Während wir durch die Produktionshallen in Gwangju liefen, entdeckten wir sogar US-Spezifikationsmodelle, die bereits vom Band liefen – ein Zeichen, dass die weltweite Markteinführung unmittelbar bevorsteht.
Ein Design, das sich vom Familien-Skript löst
Wenn man den neuen Seltos erstmals in echt sieht, wird sofort klar, dass Kia diesen SUV hervorstechen lassen wollte. Obwohl er sofort als Kia erkennbar ist, hat das Designteam eine völlig eigenständige Frontpartie entwickelt, die sich von der Formensprache der jüngsten reinen Elektrofahrzeuge oder des überarbeiteten Sorento abhebt.
Statt der extrem schlanken, geschwungenen Lichtsignaturen seiner Geschwister setzt der Seltos auf eine mutigere, vertikalere Haltung. Er hat eine attraktiv kantige, traditionelle SUV-Silhouette, die ihm eine robuste, präsente Straßenausstrahlung verleiht. Im Vergleich zu den geschwungenen, fast fließheckartigen Linien des Kia Niro wirkt der neue Seltos wie ein echter, verkleinerter Geländewagen. Diese Designrichtung wird zweifellos Käufer ansprechen, die eine muskulösere Ästhetik in einem kompakten Format wünschen.
Cabin Premiumisierung (und eine seltsame Bildschirm-Marotte)
Steigt man ein, ist der Generationssprung sofort offensichtlich. Kia hat das Innenraumambiente deutlich aufgewertet, sodass es sich wie ein viel hochwertigeres Produkt anfühlt, als es der Preis vermuten lässt.
Der Innenraum ist außergewöhnlich gut verarbeitet, mit hochwertigen Materialien und weichen Oberflächen an allen wichtigen Kontaktpunkten, was die harten Plastikteile des Vorgängers weit hinter sich lässt. Außerdem ist er unglaublich gut ausgestattet, mit Premium-Features, die normalerweise höheren Segmenten vorbehalten sind.
Das Herzstück des Armaturenbretts ist das riesige panoramische Digitalcockpit von Kia. Es hat jedoch eine besondere Hardware-Marotte von hochwertigeren Geschwistern wie dem EV9 und K4 geerbt: den 5-Zoll-HVAC-Bildschirm, der direkt zwischen den beiden 12,3-Zoll-Displays eingeklemmt ist.
⚠️ Der ergonomische Haken: Während das dedizierte 5-Zoll-Klimadisplay das Armaturenbrett ultra-modern und stimmig aussehen lässt, bleibt es im täglichen Fahrbetrieb weitgehend ungenutzt und verdeckt. Da es direkt hinter dem Lenkradkranz sitzt, verdecken die Hand des Fahrers und das Lenkrad selbst die Sicht vollständig. Zum Glück hat Kia weiterhin physische Tasten und Schalter weiter unten in der Mittelkonsole integriert, um Temperatur und Lüftergeschwindigkeit zu regeln, sodass der versteckte Touchscreen weitgehend überflüssig wird.

Die Fahrt: Sanft unterwegs, aber ohne Biss
In Seoul ans Steuer gesetzt und auf die Autobahn Richtung Gunsan, fällt zuerst die allgemeine Laufkultur auf. Die auf einer stark überarbeiteten Architektur basierende neue Seltos Hybrid bietet ein unglaublich geschmeidiges Fahrgefühl. Unebenheiten werden mühelos geschluckt, und die Geräuschdämmung des Innenraums ist ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Vorgängergeneration. Er fühlt sich ausgereift, souverän und mühelos zu fahren auf langen Strecken an.
Doch sobald man den Stadtverkehr hinter sich lässt und auf der freien Autobahn eine zügige Beschleunigung abruft, zeigen sich die Grenzen des Antriebsstrangs.
Wir haben die südkoreanische Spezifikation getestet, die einen 1,6-Liter-Benziner mit einem Elektromotor kombiniert und dabei 141 hp (107 kW) liefert. Für den Alltagseinsatz und Autobahnetappen ist das völlig ausreichend, doch beim Überholen mangelt es dem Antrieb etwas an Spontaneität – eine Eigenschaft, die er direkt vom eng verwandten Kia Niro erbt.
Der Lichtblick: Herausragende Effizienz
Auch wenn der Antrieb keinen Dragster-Rennen gewinnen wird, überzeugt er genau dort, wo es für Hybridkäufer am meisten zählt: an der Zapfsäule.
Trotz des spürbaren Mangels an Durchzug und einem forschen Fahrstil auf der Autobahn erwies sich der Seltos Hybrid als äußerst genügsam. Auf unserer gemischten Testrunde – bestehend aus Autobahn, Landstraßen und Stop-and-go in der Stadt – erzielten wir einen phänomenalen Kombinationsverbrauch von 20,2 km/l. Umgerechnet auf die weltweit üblichen Einheiten sind das:
47,5 mpg (US)
4,95 l/100 km (Europa)
Für einen kantigen, robust gezeichneten Crossover sind diese Alltagswerte ein echtes Pfund – und machen den Leistungskompromiss im Alltag mehr als wett.

Der globale Ausblick: Mehr Leistung und E‑AWD in Sicht
Die gute Nachricht für internationale Käufer: Kia weiß, dass einige Märkte mehr Muskeln brauchen. Während die koreanische Version mit 141 PS auskommen muss, soll die Europa‑Version auf 154 hp (115 kW) angehoben werden. (Daten für die USA stehen noch aus.)
Noch spannender für Europa: Geplant ist ein hochwertiges 178‑hp‑E‑AWD‑Hybridsystem (133 kW) mit einem zweiten Elektromotor an der Hinterachse. Damit bekäme der kompakte SUV den nötigen Durchzug und die Allwettertauglichkeit, die sein hervorragendes Fahrwerk verdient.
Auf die Frage, woher die Mehrleistung genau stammt – ob durch überarbeitete Verbrennerabstimmung oder einen stärkeren Elektromotor –, hielten sich die Kia‑Ingenieure bedeckt. Man verwies auf noch nicht abgeschlossene weltweite Homologationsprozesse.
Erstes Fazit
Der Kia Seltos Hybrid der zweiten Generation ist eine äußerst clevere Weiterentwicklung. Indem Kia ein hocheffizientes Hybridsystem in eine mutigere, kantigere und deutlich hochwertigere Hülle als beim Niro packt, trifft er den Nerv des modernen Crossover‑Käufers. Abgesehen von einem etwas versteckten Klimabildschirm und der gemächlichen Leistungsentfaltung der Basis mit 141 PS machen das kultivierte Fahrverhalten und das edle Interieur den neuen Seltos zu einem beeindruckenden Klassenprimus – erst recht, wenn die durchzugsstärkeren Exportversionen kommen.





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