Der aggressive Vorstoß von Hyundai Motor Company, im hart umkämpften chinesischen EV-Segment wieder Fuß zu fassen, ist früh ins Stocken geraten. Trotz eigens auf den lokalen Geschmack zugeschnittener Modelle verzeichnen die neuesten Elektroautos von Beijing Hyundai von Anfang an eine schwere Absatzflaute.
Am deutlichsten wird das bei der neu gestarteten Elektro-Limousine – dem Ionic V. In seinem ersten Monat in den Showrooms konnte er kaum Eindruck hinterlassen: Landesweit gingen weniger als 30 Einheiten an Kunden.
Ionic V mit enttäuschenden Zahlen im ersten Monat
Laut Daten der China Passenger Car Market Information Association (CPCA) setzte Beijing Hyundai im Debütmonat lediglich 28 Einheiten des Ionic V ab. Damit landete das Fahrzeug auf Platz 18 von 19 Neuvorstellungen, die im selben Zeitraum auf dem chinesischen Markt beobachtet wurden.
Branchenanalysten sehen in dauerhaft 2.500 Einheiten pro Monat die Mindestschwelle für einen erfolgreichen Start im Volumensegment in China. Mit 28 Einheiten erreichte der Ionic V nur 1,12 Prozent dieser Zielmarke – der Monatsabsatz müsste sich also fast um den Faktor 90 vervielfachen, um wirtschaftlich tragfähige Größenordnungen zu erreichen.
Maßgeschneiderte Technik und aggressive Preise beleben die Nachfrage nicht
Der schleppende Anlauf erfolgt, obwohl Hyundai den Ionic V eigens für chinesische Kunden ausgestattet hat. Der als elektrische Mittelklasse-Fastback-Limousine ausgelegte Wagen führt Hyundais regionales Designkonzept „The Origin“ ein und setzt stark auf lokale Technologiepartner:
Antrieb & Batterie: Die von CATL aus China gelieferten Akkupakete ermöglichen eine CLTC-Reichweite von 540 km bis 650 km – je nach Batteriekonfiguration.
Autonomes Fahren: Die Assistenzsysteme und die ADAS-Software stammen vom lokalen chinesischen Spezialisten für autonomes Fahren, Momenta.
Innenraum & Abmessungen: Ein Radstand von 2.900 mm bei Außenmaßen von 4.900 mm (L) × 1.890 mm (B) × 1.470 mm (H); im Cockpit dominiert ein durchgehendes 27-Zoll-4K-Display.
Zudem fuhr Beijing Hyundai eine aggressive Preisstrategie. Die Aktionspreise lagen zwischen 99.900 und 131.900 Yuan (rund 20 bis 26 Millionen koreanische Won). Damit stand das Fahrzeug direkt im Visier der dominierenden heimischen Rivalen wie dem BYD Seal 06 und dem Xpeng Mona M03. Der niedrige Einstiegspreis hat sich bislang jedoch nicht in Besucherfrequenz oder erster Absatzdynamik niedergeschlagen.

Gegenwind für die Elektrifizierung: Elexio SUV und schrumpfender Markt
Der Ionic V ist nicht das einzige strategische Regionalmodell unter Druck. Der Elexio, Beijing Hyundais ausschließlich für China gedachter Elektro-SUV, kam im selben Monat auf nur 67 Auslieferungen.
Zusammen kommen Ionic V und Elexio auf lediglich 95 Auslieferungen im ganzen Land – beide Flaggschiff-EVs bleiben damit unter der Marke von 100 Einheiten. Der Elexio, konzipiert als Botschafter für hochmoderne digitale Cockpits und kostengünstige lokale Teilebeschaffung, war teils als Sprungbrett in Richtung regionaler Exportdrehscheiben gedacht. Dieser Weg bleibt ungewiss, solange die Nachfrage im Inland gedämpft ist.
Die Schwierigkeiten der einzelnen Modelle spiegeln die strukturellen Probleme wider, mit denen Beijing Hyundai auf dem größten Automarkt der Welt kämpft:
Kumuliertes Volumen: Im Zeitraum Januar bis September fiel der Gesamtabsatz um 29,9 Prozent im Jahresvergleich.
Monatlicher Rückgang: Im September brachen die Inlandsauslieferungen um 60,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein.
Wie es für Beijing Hyundai weitergeht
In den chinesischen EV-Mainstream vorzudringen ist für ausländische Joint Ventures außerordentlich schwierig geworden, da heimische Anbieter wie BYD, Geely und Xpeng die Szene mit erbitterten Preisschlachten, schnellen Software-Zyklen und starker Markentreue im eigenen Land beherrschen.
Frühe Anlaufschwierigkeiten können zwar an einem verzögerten Produktionshochlauf oder gestaffelten Auslieferungsplänen der Händler liegen – eine anhaltende Stagnation birgt jedoch Risiken für Hyundais gesamte Elektrifizierungsfahrpläne. Beijing Hyundai braucht in den kommenden Quartalen eine rasche Belebung der Händlerfrequenz, um zu klären, ob diese strategischen Modelle einen tragfähigen Stand finden oder eine tiefergehende strategische Neuausrichtung erfordern.

Quelle: The Guru

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