Südkoreanische Smartphone-Kamerahersteller erschließen den boomenden, aber technologisch anspruchsvolleren Markt für Fahrzeugkameras, um die Auswirkungen des nachlassenden Wachstums bei globalen Handyverkäufen abzufedern.
In Oberklasse-Autos können bis zu acht Kameras verbaut sein, die beim Einparken helfen oder eine Notbremsung auslösen. Diese Zahl könnte auf zwölf steigen, wenn Kameras die Außenspiegel ersetzen, so Mcnex Co., ein Kamera-Zulieferer von Samsung Electronics Co. und Südkoreas größter Hersteller von Autokameras.
Da die Technologie auch in Mittel- und Unterklassewagen Einzug hält, könnte der Markt für Fahrzeugkameras von 2011 bis 2018 um das Siebenfache auf knapp 6,6 Milliarden US-Dollar wachsen, so Techno Systems Research.
Dieser Betrag könnte durch Vorschriften wie die ab 2018 in den Vereinigten Staaten vorgeschriebene Rückfahrkamera, die ein Rückwärtsfahren über Fußgänger verhindern soll, noch steigen. Zusätzlich wird die Nachfrage durch die Verbreitung von kamerabestückten selbstfahrenden Fahrzeugen angekurbelt, die von Google Inc. und anderen entwickelt werden.
„Wir erwarten, dass der Markt für Fahrzeugkameras ein explosives Wachstum erleben wird“, sagte Lee Hyo-cheol, leitender Forschungstechniker beim südkoreanischen Autoteilehersteller Hyundai Mobis Co., gegenüber Reuters. Allerdings müssen Kameras für Autos weitaus robuster sein als für Handys. Sie müssen Tests bestehen, die tagelanges Untertauchen in Wasser und 1.000 Stunden mit Temperaturwechseln zwischen minus 40 und plus 85 Grad Celsius innerhalb von Sekunden umfassen.
„Fahrzeugkameras unterscheiden sich in den Spezifikationen völlig von Handykameras“, so Lee. Die Handykamerahersteller hätten eine steile Lernkurve vor sich, sagte er.
Kameras für Autos kosten rund 32 US-Dollar pro Stück, verglichen mit 4 US-Dollar für Handys, so Mcnex, das im vergangenen Jahr 19 Prozent seines Umsatzes mit Autokameras erzielte, gegenüber 2 Prozent im Jahr 2007. Die Preise könnten jedoch mit steigenden Stückzahlen fallen.
Laut IHS Automotive werden im Jahr 2020 voraussichtlich rund 83 Millionen Autokameras verkauft, fünfmal mehr als 2012. Zum Vergleich: Die Auslieferungen von Smartphones – die in der Regel zwei Kameras haben – werden 2018 laut IDC voraussichtlich um 6 Prozent wachsen, nach 39 Prozent im Vorjahr.
Hyundai Mobis bezieht von den südkoreanischen Handy- und Autokameraherstellern Mcnex, LG Innotek Co. und Sekonix Co. Diese werden in Systeme eingebaut, die beispielsweise das Einparken erleichtern, und dann an die Schwesterfirmen Hyundai Motor Co. und Kia Motors Corp. verkauft.
Hyundais Oberklasse-Genesis-Limousine ist mit fünf Kameras ausgestattet, darunter Kameras, die erkennen, ob das Fahrzeug die Fahrspur verlässt.

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