Start / Kia / 16. Juni 2022

Ist der 2023 Kia Telluride immer noch die Nummer eins?

Is the 2023 Kia Telluride Still Top of the Heap?

Seit Kia den Telluride vor drei Jahren enthüllte, gehört er zu den begehrtesten Dreireihen-Crossovern auf dem Markt. Er vereint Leistungsfähigkeit, Luxus, Stil und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in einem attraktiven Paket, das genau die richtige Größe für Familien bietet. Der Faktor, der den Telluride am meisten eingeschränkt hat, war seine Verfügbarkeit auf dem Markt – Kia gibt an, dass zwischen Auslieferung und Verkauf im Schnitt nur vier Tage vergehen.

Darüber hinaus haben Produktionsstopps aufgrund von Covid-19 und Lieferkettenprobleme das Volumen der verfügbaren Fahrzeuge in den letzten zwei Jahren eingeschränkt. Trotzdem blieb der Telluride sowohl bei Auto-Journalisten als auch bei Verbrauchern eine Top-Wahl.

Doch die Branche kann sich schnell ändern, und die Hersteller müssen sich anpassen, um Schritt zu halten. Kia hat nun die Hüllen des überarbeiteten Telluride 2023 gelüftet – ein sehr dezentes Update seines Erfolgspakets. Reicht dieses Facelift aus, um den Telluride an der Spitze des großen Crossover-Segments zu halten?

Von außen ist dies eindeutig eine subtile Veränderung: Die vorderen und hinteren Stoßfänger wurden vom Kia-Designteam so bearbeitet, dass sie aufrechter wirken und besser definierte, integrierte Details aufweisen. Der Lufteinlass unter dem Kühlergrill ist nun beispielsweise besser in die Fahrzeugfront integriert. Der Kühlergrill selbst wurde an den Kanten leicht eckiger gestaltet, um ein bulligeres Erscheinungsbild zu erzielen. Die Scheinwerfer des Telluride wurden komplett überarbeitet: Die Halo-Effekt-Tagfahrlichter sind verschwunden, stattdessen gibt es ein aufrechteres, lineares Design, das moderner wirkt, aber auch viel Kritik von denen hervorgerufen hat, die die bernsteinfarbenen Halos des Vorfacelift-Modells liebten.

Auch die Rückleuchten wurden überarbeitet: Sie wirken zielgerichteter, das LED-Muster setzt sich nun in der Heckklappe fort, während die Rückfahrscheinwerfer in den unteren Stoßfänger wanderten. Neue Farben und neue Felgenstile wurden hinzugefügt, und die beliebte Nightfall-Edition wurde durch die X-Line-Ausstattungslinie ersetzt. Diese gibt es als reine Styling-Version X-Line und als X-Pro-Variante, die kleinere Räder und größere Geländereifen sowie einige kleine mechanische Updates umfasst, um den X-Pro etwas geländegängiger zu machen (nur nicht diese zusätzliche Fähigkeit mit einem echten Leiterrahmen-Geländewagen verwechseln).

Im Innenraum wurde das bisher eher traditionelle Armaturenbrett durch ein Zwei-Bildschirm-Setup mit 12,3-Zoll-Displays für das Kombiinstrument und das Infotainment-System ersetzt. Damit reiht sich der Telluride in die Reihe anderer neuer Kia-Modelle mit diesem Dual-Screen-Setup ein und verleiht dem Innenraum des Telluride das Flair eines Escalade für kleines Geld. Abgesehen vom Armaturenbrett sind die Sitzbezüge für 2023 robuster gestaltet, ansonsten ändert sich innen nichts Wesentliches.

Antriebsseitig bleibt der Telluride unverändert: Ein 3,8-Liter-Saugbenziner mit V6-Bauweise liefert ausreichende, aber nicht übermäßige 291 PS und 262 lb-ft Drehmoment. Dieser Motor beschert dem Telluride einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 23 Meilen pro Gallone. Genau hier zeigt der Telluride jedoch im Vergleich zum Marktumfeld langsam sein Alter. Der Antriebsstrang ist weder besonders leistungsstark noch extrem sparsam – das bedeutet: Wer das Geld hat, um die rasant steigenden Benzinpreise zu ignorieren, könnte ihn als zu schwach empfinden, während Sparfüchse ihn als äußerst durstig erleben werden.

Im Vergleich zu Wettbewerbern, die seit der Markteinführung des Telluride auf den Markt gekommen sind, ist dieser Antriebsstrang einfach nicht besonders wettbewerbsfähig. Der neue Jeep Grand Cherokee L etwa steht dem Telluride in puncto Luxus in nichts nach und trägt ein wohl begehrteres Markenemblem, bietet aber einen 5,7-Liter-V8 mit 357 PS und 390 lb-ft Drehmoment (allerdings mit einem niedrigeren Durchschnittsverbrauch von 17 mpg). Auf der anderen Seite des Spektrums mag ein Toyota Highlander Hybrid insgesamt etwas weniger begehrt sein als ein Telluride, kommt aber auf einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 35 mpg, was bei steigenden Benzinpreisen äußerst attraktiv wirkt.

Darüber hinaus könnte der Telluride zunehmend Konkurrenz durch die wachsende Beliebtheit von Fullsize-SUVs bekommen, insbesondere durch den neuen Toyota Sequoia, der ein größeres Paket mit mehr Leistung und besserer Kraftstoffeffizienz zu einem nur geringfügig höheren Preis als ein Telluride bietet. Kia hat in diesem Segment noch kein Angebot, und ich bin mir sicher, dass man diese wachsende Konkurrenz zu spüren bekommen wird, je älter der Telluride wird.

Schließlich muss Kia auch die Konkurrenz aus dem eigenen Konzernverbund im Auge behalten. Der 2023 Hyundai Palisade hat ein deutlich umfangreicheres Facelift erhalten und zeigt sich nun mit einer wesentlich robusteren Optik. War der Telluride vor der Modellpflege zweifellos das attraktivere Auto, könnte Hyundai mit dem aktuellen Palisade nun einige Käufer auf seine Seite ziehen.

Trotz dieser Herausforderungen hat der Kia Telluride bis heute eine starke Marktposition und profitiert weiterhin von seinem guten Ruf. Die Änderungen für 2023 halten das Modell zwar frisch, aber kann es seine Krone bis zu einer kompletten Neukonstruktion behaupten, die wohl erst in zwei oder drei Jahren ansteht? Wir werden sehen, aber zumindest für mich ist klar: Kia muss den lahmen Antriebsstrang angehen – etwa durch einen Twin-Turbo, einen Hybrid oder Plug-in-Hybrid – und den Telluride vergrößern, zumindest aber eine Langversion anbieten, wenn es mit den Marktverschiebungen Schritt halten will. Und wenn Kia den kommenden großen Elektro-Crossover EV9 richtig hinbekommt, könnte es innerhalb der Kia-Modellpalette sogar eine weitere Option geben, die jene zurückholt, die von der aktuellen und künftigen Konkurrenz angelockt werden, aber die Vorteile der vollelektrischen E-GMP-Plattform bevorzugen.

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